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© Hamburg Invest Karolin Köcher

The Trust Machine: Vertrauen für die Blockchain schaffen

Internationale Konferenz in Hamburg zeigte erfolgreiche Anwendungen der Technologie und - dass die Blockchain tanzbar ist

Vornehmlich Männer in dunklen Anzügen blicken gebannt auf sich ekstatisch verrenkende Körper in zuckendem Blaulicht, im Albert-Schäfer-Saal der altehrwürdigen Handelskammer Hamburg. Dazu hämmernde Beats und eingängige Hip-Hop-Rhythmen. Die Gleichzeitigkeit von Zukunft und Tradition lässt sich kaum eindringlicher emotionalisieren, als in dieser Performance des BitArt Theaters zu Beginn der zweitägigen Blockchain-Konferenz Blockchance 2019 am vergangenen Freitag und Samstag.

Mit mehr als 750 Wissenschaftlern, Technologieexperten und Wirtschaftsvertretern, Politikern und Medienvertretern aus Hamburg, Deutschland, Europa und aller Welt gilt die Konferenz gewissermaßen aus dem Stand heraus als eine der größten internationalen Konferenzen in Deutschland, die sich den technologischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Konsequenzen der globalen Distributed Ledger Technologie – der Blockchain – widmet.

Weder schwarz noch weiß

Die schwer verständliche Technologie, wie auch der Tanz zeigen will, sei per se weder schwarz noch weiß, weder gut noch schlecht. Auf die konkrete Anwendung komme es an. Die englischsprachige Konferenz mit rund 1.500 erwarteten Besuchern, im Rahmen des Blockchain Summers, hat Hamburg jedenfalls auf die Landkarte der internationalen Blockchain-Metropolen gesetzt.

Schirrmherr ist Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher: „Blockchain ist eine zukunftsweisende Technologie, die immer breitere Anwendung findet. Datensicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit sind gerade in der digitalen Welt von großer Bedeutung. Die hochkarätig besetzte Blockchance Conference unterstreicht das wachsende Interesse an dieser Technologie, die wir für die Digitalisierung und Innovation in Hamburg nutzen wollen.”

Gekommen, um zu bleiben

Entscheidend sei, wie und wozu man die Technologie nutze. Durch Dezentralisierung und dadurch, dass – vereinfacht gesagt – viele Teilnehmer unabhängig voneinander digitale Transaktionen bestätigen, sei sie von ihrem Wesen her transparent und demokratisch. „Wenn mein kleiner Sohn mich fragt, was passiert da eigentlich in der Welt und was machst du so den ganzen Tag, dann kann ich ihm sagen, dass ich versuche unseren Planeten durch meine Arbeit ein kleines bisschen besser zu machen“, so Fabian Friedrich.

Fabian ist Organisator der Konferenz und inzwischen das Gesicht der Blockchain-Szene in Hamburg, die mit mehr als 50 überwiegend jungen Startups zu den Vorreitern in Deutschland gehört. Er ist Initiator des Hanseatic Blockchain Institute und Gründer des Blockchance Campus im Fintech-Hub Finhaven: „Die Blockchain ist gekommen, um zu bleiben. Es liegt nun an uns, was wir daraus machen.“

Die Antwort auf viele Fragen?

Der Begriff Blockchain wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig gleichgesetzt mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin und Geschäftsmodellen in einem rechtlichen Graubereich. Doch nach Ansicht des Amerikaners Marc Buckley, Botschafter der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und Mitglied im Experten-Netzwerk des Weltwirtschaftsforums, könnte die Blockchain vielleicht zur Lösung vieler Umweltprobleme beitragen und letztendlich vielleicht sogar den Klimawandel abwenden. Daher müsse man neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen sein, sagte Buckley als einer der Keynote-Speaker auf der Konferenz: „Auch die Steinzeit endete nicht, weil uns die Steine ausgingen.” Der extrem hohe Energieverbrauch der Technologie sei dabei noch eines der ungelösten Probleme.

Zahlreiche Beispiele und Player auf der Expo in der Handelskammer zeigten, wie und wo die Blockchain in Hamburg bereits eingesetzt wird. „Mit innovativen Blockchain-Anwendungen in Branchen wie der Energiewirtschaft, der Logistik und der Industrie wird hier echter Mehrwert in Form von Effizienzgewinnen und zusätzlicher Sicherheit geschaffen“, erklärt Wirtschaftssenator Michael Westhagemann.

Blockchain-Accelerator

Der Launch des ersten privat iniitierten Blockchain-Accelerators und Wagniskaptalgebers in Hamburg, BlockRock Ventures, sowie ein Startup-Pitch standen ebenfalls auf der Agenda. Geplant sind zwei Investment-Fonds über fünf sowie 30 Millionen Euro für Startups in der Pre-Seed und Early-Stage-Phase und ein bis zu 2,5-jähriges Förderprogramm. Der internationale Investor und Startup-Förderer Evan Luthra (Startup Studio) stiftete für den BC19 Evan Luthra Startup Award ein Preisgeld von 50.000 Euro für den Sieger des Pitch-Wettbewerbs am zweiten Konferenztag.

Vorwärts strebet die Zeit: Vertrauen als Währung

Die Technologie braucht zum Durchbruch vor allem eines: Daten – und das erfordert vor allem eine breite Akzeptanz und Vertrauen. Dass die Blockchain insbesondere von Hamburg aus in die Welt transformiert werden soll, passt zu traditionell hanseatischen Kaufmannstugenden, wie der Offenheit für Neues und Geschäften per Handschlag. Darauf verweist eine steinerne Tafel in der Handelskammer – kaum erhellt vom zuckenden Blaulicht der futuristischen Performance in der Halle, gedichtet von Heinrich Geffcken zur Einweihung der neuen Börse im Jahre 1841: „Vorwärts strebet die Zeit, Erfindung drängt die Erfindung; Prüf’t und mit Kräftiger Hand eignet Euch Treffliches an!“
kk/sb

Quellen und weitere Informationen:
www.buergerschaft-hh.de
www.blockchainsummer.com
www.blockchance.eu
www.moinworld.de
www.innovationsforum-hamburg.de
www.blockchaininstitute.eu
www.blockchainresearchlab.org
www.enerchain.ponton.de
www.hamburg-logistik.net
www.future.hamburg
www.hamburg-invest.com

Blockchain soll weiblicher werden

Fortgesetzt wird der Blockchain Summer mit der Konferenz Moinblockchain, die am 18. Oktober 2019 auf dem HSBA Innovation Campus stattfindet. Veranstaltet wird das Event von Moinworld, einem gemeinnützigen Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den Frauenanteil in der IT-Szene auf 50 Prozent zu erhöhen und somit auch die Blockchain weiblicher zu machen. Während des Events sollen in Gesprächen und Workshops der aktuelle Stand der Blockchain-Technologie und ihre Anwendungsfälle diskutiert werden.

Blockchain als Teil der Innovationsstrategie Hamburgs

Darüber hinaus hat der Hamburger Senat Ende Juli einen ersten, umfassenden Bericht zu den Hamburger Blockchain-Aktivitäten vorgelegt. Demnach habe die Technologie das Potenzial, zahlreiche Lebensbereiche in Wirtschaft und Gesellschaft der Stadt „positiv zu beeinflussen“ und „neue Forschungshorizonte“ zu eröffnen. So will der Senat die Blockchain-Aktivitäten in der Hansestadt gezielt fördern und Hamburg als international bedeutenden Blockchain-Standort etablieren. Im Rahmen dess wird die regionale Innovationsstrategie fortgeschrieben. Im Zuge dessen hat die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation Anfang 2019 einen Dialogprozess gestartet, um den Austausch von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu intensivieren.

Service- und Informationsangebot für Unternehmen

Die HIW Hamburg Invest Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH steht als One Stop Agency allen Unternehmen als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Auf der Innovationsplattform future.hamburg will die Hamburg Marketing GmbH Sichtbarkeit für Pilotprojekte herstellen. Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hamburg plant mehrere halbtägige Informationsveranstaltungen mit Blockchain-Anwendungsfällen. Zudem sei die Erarbeitung eines Leitfadens zu Einsatzpotenzialen der Blockchain für KMU vorgesehen.
www.hamburg-invest.com

Was ist eine Blockchain?

Eine Blockchain (zu dt. ‚Kette von Blöcken‘) ist eine fälschungssichere, dezentrale Datenstruktur, in denen Transaktionen in der Zeitfolge protokolliert werden und nachvollziehbar, unveränderlich und ohne zentrale Instanz abgebildet sind. Es handelt sich dabei um eine Form der sogenannten Distributed Ledger Technology (DLT).

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